Transformations-Trägheit in Deutschland oder alles im Wandel?

| 11. Juni 2019 | Christian Herrmann

Unterliegen deutsche Unternehmen tatsächlich einer Transformations-Trägheit? Einschlägige Medien, Studien und Experten berichten es rauf und runter: die Veränderungsbereitschaft und Kultur von Unternehmen für den digitalen Wandel stecke in Deutschland noch in den Anfängen, obgleich dieser omnipräsent ist. Alles steht in einem noch nie in diesem Ausmaß dagewesenen Veränderungsprozess, der unsere gesamte Gesellschaft betrifft und uns längst erreicht hat.

Digitale Transformation ist mehr als ein Hype. Der Wandel findet in nahezu allen Lebenswelten statt. Nicht nur das mediale Nutzungs- und Konsumverhalten der Menschen ändert sich signifikant, stellt ganze Branchen mit tradierten Wertewelten auf den Kopf und überführt diese nicht selten in eine noch anhaltende Ohnmacht.

Ob wir es wollen oder nicht – schon die Kleinsten wischen auf dem Tablet, die Größeren können sich ein Leben ohne Smartphone gar nicht mehr vorstellen. Ihre Kindheit verläuft dadurch ganz anders als unsere und erfährt einen kulturellen, sozialen und digitalen Wandel. Wie und ob Eltern ihren Nachwuchs ab welchem Alter in die digitale Welt begleiten oder davon weghalten und was sie selbst dabei lernen können, ist natürlich eine andere Debatte und nicht Teil dieses Artikels.

Der digitale Wandel bahnt sich in unserer Gesellschaft seinen Weg. Für eine ganze nachwachsende Generation gilt bereits „Online first“. Bewegtbilder werden nicht seltener als bisher konsumiert – doch sind es Internet- und Streaming-Plattformen wie wie YouTube, Instagram, Netlix & Co., die bei den ganz jungen und jungen Erwachsenen bereits als Leitmedien unmissverständlich bevorzugt werden. Medienunternehmen müssen nachlegen, ihre Ökosystem umbauen und Investitionen tätigen, um in der digitalen Gesellschaft die Wertschöpfung und Monetarisierung ihrer Inhalte nachhaltig zu erzeugen.

Im Prozess der Digitalisierung ist der Wandel unserer Werte voll im Gange, die Ansprüche an die Arbeitswelt verändern sich unübersehbar, Märkte funktionieren komplett anders, es entstehen täglich neue digitale Marktplätze im Netz. Digitale Innovation erzeugt virtuelle Anwendungen und lässt Grenzen zwischen Digitalem und Physischem verschwimmen. Kundenbedürfnisse gestalten sich vollkommen neu, digitale Technologien decken inzwischen zunehmend den Bedarf an täglichen Gütern ab und dienen als bevorzugte Einkaufsquellen. Allein der deutsche Onlinehandel wuchs 2018 lt. HDE auf ein Volumen von über 53 Mrd. Euro (2010: 20 Mrd. Euro). Tendenz stark steigend.

Steckt Deutschland in der Transformations-Trägheit?

Digitale Transformation ist mehr als ein Hype. Der Wandel findet in nahezu allen Lebenswelten statt. Nicht nur das mediale Nutzungs- und Konsumverhalten der Menschen ändert sich signifikant, stellt ganze Branchen mit tradierten Wertewelten auf den Kopf und überführt diese nicht selten in eine noch anhaltende Ohnmacht.

 

Das Wirtschaftsmagazin Wirtschafts Woche der Verlagsgruppe Handelsblatt sprach vor wenigen Tagen von einem „Digitalisierungs-Blues“ in Deutschland und zieht hierfür neueste Studienergebnisse der Unternehmensberatung Sopra Steria zurande. Die Studien-Befragung zeigt: „Aktuell stecken viele Unternehmen im Digitalisierungsprozess fest. Obwohl fast die Hälfte der Firmen bereits digitale Geschäftsmodelle entwickelt hat (46 Prozent), ist die Mehrheit mit dem bis heute Erreichten nicht zufrieden“. Weiter heißt es, das „Jedes zweite Unternehmen beklagt, dass das notwendige Know-how fehlt, um die digitale Transformation zu meistern. 42 Prozent bemängeln eine IT, die nicht flexibel genug ist, um sie für die neuen Aufgaben fit zu machen. Zudem leiden 37 Prozent unter zu langsam getroffenen Entscheidungen und zumindest teilweise unter zu vielen Beteiligten sowie einer starren Hierarchie.“

Dem gegenüber stehen längst bekannte Faktoren, die Unternehmer und Unternehmen gleichermaßen antreiben:

  • Radikal-innovative Produktionsverfahren
  • Vernetzung von Mensch, Maschine und industriellen Prozessen
  • Autonome Systeme und Mobilität
  • Effizientere Prozessabläufe und signifikante Qualitätssicherung
  • Digital gesteuerte Kundenkommunikation
  • Cloud-Computing und Künstliche Intelligenz
  • usw.

Stefan Hentschel, Leader Tech-Industrial und B2B Markets bei Google, stellte Anfang Juni bei seinem Vortrag auf der Münchner Online B2B Conference heraus, dass gut 62 Prozent der deutschen Unternehmen glauben, bei der Digitalen Transformation bereits auf dem richtigen Weg zu sein. „In der Realität sieht das aber ganz anders aus. Das liegt vor allem daran, dass die Veränderungsbereitschaft in vielen Unternehmen zu gering ist“, so der Google-Experte. Zum kulturellen Wandel und der damit einhergehenden Veränderung gehört für Hentschel auch, dass sich Unternehmen anders organisieren müssen. Dafür ist der Vorstand beziehungsweise die Geschäftsführung verantwortlich.

Wissenschaft und Forschung ist sich einig: Unternehmen, die den Transformationsprozess nicht frühzeitig und umfassend aufgreifen, werden dem digitalen Darwinismus zum Opfer fallen. Richard Hagl, Digitalexperte und Doktorand am Waterford Institute of Technology in Dublin, veröffentlichte hierzu ein konzeptionelles Forschungspapier mit dem Ziel, Unternehmer bei der Kreation dynamischer Geschäftsmodelle für Technologien mit hohem Potenzial zu unterstützen.

Grafik: © Richard Hagl – Framework Geschäftsmodell-Innovation

„Virtual- und Augmented Reality-Technologien eigenen sich besonders gut dafür, beispielsweise Mitarbeiter bei ihrem ersten Einstieg in die Digitale Transformation mitzunehmen“, so der Forscher Richard Hagl und stellt damit eine wesentliche Erkenntnis aus seiner umfassenden Forschungsarbeit heraus. Wer den Prozess der Digitalisierung mit weniger komplexen Maßnahmen anstoßen will, kann dies mit der XR-Kerntechnologie (Virtual Reality, Augmented Reality, Mixed Reality) bspw. im Bereich Marketing und Vertrieb hochwirksam und ergebnisführend anstoßen. Die nachfolgende Grafik zeigt die Wertschöpfung bzw. Häufigkeit, mit der AR- und VR-Anwendungen im B2B-Bereich eingesetzt werden und unterstreicht mit 52 Prozent den dominierenden Unternehmensbereich.

© 2018 Phaenom. Quelle: KPMG Studienergebnisse – Aufbereitung durch Phaenom GmbH

Der Innovationszyklus für VR-/AR-Hardwaresysteme lieferte in den letzten beiden Jahren hervorragende Fortschritte – es existieren ausgereifte und autark funktionierende Hardwarelösungen. Skalierbare, intelligent arbeitenden Softwarelösungen (VR-/AR-Anwendungen) erzeugen fantastische Ergebnisse und kooperieren mit (cloudbasierten) Datensystemen bspw. für eine autarke Pflege der Anwendung durch den Kunden. Für Augmented Reality liefern die im Markt eingeführten, leistungsfähigen Tablets und Smartphones inzwischen genug Performance, um je nach Anwendungsfall oder Konzept bspw. auf eine Datenbrille verzichten zu können.

Ein Beispiel, wie Augmented-Reality-Elemente in iOS Mobile-Browsern nutzbar sind, ohne hierfür eine App installieren zu müssen, zeigt ein Live-Beispiel (Grafik anklicken oder QR-Coder scannen) der XR-Entwicklungsexperten bei Phaenom in München. Mit dem Smartphone- und Tablet-Browser können beliebige 3D Objekte in der realen Welt platziert werden.

Die hier entstehenden Möglichkeiten der Produktpräsentation für Hersteller, Produktanbieter und Onlineshops sind nahezu grenzenlos. Probieren Sie es aus!

Deutschland bietet als führende Wirtschaftsnation mit einem hochentwickelten industriellen Kern, einem stark entwickelten Mittelstand und vielen innovativen Experten beste Voraussetzungen für eine digitalisierte Wirtschaft. Spezialisierte Digitial-Unternehmen sind den Anforderungen der Industrie und Wirtschaft für zielführende Beratung und Konzepte längst gewachsen und setzen diese erfolgreich um. Junge innovative Start-ups und etablierte, bereits transformierte Digital-Unternehmen benötigen Kapital, nicht nur bei der Gründung, sondern insbesondere auch um intelligente Standards und skalierbare Produktlösungen zu entwickeln und auf dem Weltmarkt zu wachsen.

Es gilt, den digitalen Wandel aktiv zu gestalten, Unternehmenskulturen und  -strukturen auf die Prozesse der Transformation anzupassen, in Unternehmen die „Treiber“ für Digitalisierung ihren notwendigen Raum zu geben, um zukunftsfähige, digitale Lösungen zu realisieren. Packen wir es an!

Autor: Christian Herrmann, Phaenom GmbH